12. Februar 2016, Stuttgart, 2. Workshop, Tag 1

Neue Mischung

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„Wenn ich Gott höre, kriege ich so einen Hals. „

T. 

Der Promo-Tag wirft was ab. Es gibt drei neue Teilnehmer. H., der begeisterte Neuling aus der Clean-WG, und ein Freud von ihm aus der AA-Gruppe. Und – überraschenderweise – I., der gute Freund von Alice, mit dem ich letztes Jahr regen SMS-Verkehr hatte. Die neue Gruppe ergibt eine explosive Mischung. M. und T. sind die einzigen Konsumierenden und das ist deutlich spürbar. An diesem Wochenende prallen Welten aufeinander. H. und sein Freund C. bringen eine ganz neue Haltung mit in den Workshop. Beide sind starke Persönlichkeiten. H. hat eine fordernde  Haltung, die die Gruppendynamik in Wallung bringt. Die erste Reibung entsteht schon bei der Präsentation des Workshopkonzeptes. Dass unsere Arbeit vorerst nicht zielorientiert ist und wir in einer gemeinsamen demokratischen Recherche, Strukturen und Inhalt des Workshops gestalten, wirft vor allem H. aus der Bahn. Hatte er doch erwartet, dass innerhalb des Workshops konkret an einem Stück geprobt wird und er direkt seine Ideen zu einem Stück umsetzen kann. Er verlässt wütend den Raum. Der Ton für die anstehenden zwei Tage ist gesetzt. Wir entscheiden uns mit einer ganz knappen Abstimmung gegen das Thema Authentizität und für das Thema Traum als Leitfaden für den Workshop.

Florian und ich konfrontieren die Gruppe mit den neuen Vorgaben der Caritas, dass während des Workshops nicht öffentlich konsumiert werden darf. Die Neuen reagieren empört darauf, dass so eine Ansage überhaupt gemacht werden muss. Ist das nicht eine Selbstverständlichkeit? Plötzlich entsteht so etwas wie ein Machtgefälle, die Cleanen fühlen sich den Konsumierenden moralisch überlegen. M. und T., die beiden Konsumierenden, fügen sich unterwürfig, betonen aber alle paar Minuten wie „entzügig“ sie sind. Unterschwellig tut sich ein Konflikt auf, der letztendlich das Metathema des Workshop sein wird.

Irgendwie deprimiert sitze ich später in meinem Hotelzimmer und frage mich, was wir denn den ganzen Tage gemacht haben. Ich entscheide mich dieses Feedback auch an die Gruppe zurückzugeben. Ich mache mir Sorgen, dass die TeilnehmerInnen unbefriedigt sind und diese ergebnislose Arbeiten dazu führt, dass keiner mehr kommt. Leistungsdruck.