9. Januar 2016, Stuttgart 1. Workshop, Tag 1

Bier und Zigaretten

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10:00 Uhr

Florian und ich gehen zur Paulinenbrücke, um noch ein paar Leute aus der Szene zum Workshop einzuladen.

Wir treffen dort auf T., ein Typ in meinem Alter. Wir kommen ins Gespräch und er ist sofort begeistert und will mitkommen, vorher nur noch kurz einen Joint rauchen.  Etwas später stößt M. dazu und fragt Steffen, ob ich seine Freundin wäre.

M.: „Du hast doch immer blond.“

M. will auch mit, sie hat eh nichts besseres zu tun sagt sie. Wir sind schon zu viert. Dann geht das Warten los. Erst wird der eine Joint gedreht, dann der nächste, noch ein Bier, noch eine Zigarette. Das kenne ich von Alice. Mit dem Druck steigt der Konsum. Darum bleiben wir cool, drängen nicht, warten einfach und trödeln dann, begleitet von Musik aus M. Minimusikbox mit einem Zwischenstop bei Netto (Biernachschub) zur Rampe. Sarah unsere Assistentin hat den Rest der Leute schon in Empfang genommen. Es sind, wie erwartet zwei Männer und eine Frau aus der Clean- WG da und Marvin unser Kollege von der Caritas.

Wir treffen uns, sehr passend, im Weinladen der Rampe. (Ein kleiner Keller der von einem Weinhändler für Weinproben genutzt wird. Sarah hat vor dem Workshop alle Weinflaschen in Sicherheit gebracht.)

Bevor es los geht, wird erstmal ausgiebig geraucht. Nur Marvin und ich sind Nichtraucher, was mich irgendwie nervös macht. Die Gruppe rockt, das spürt man gleich.

Marvin spricht mich im Flüsterton an. „Wir müssen den Konsumierenden sagen, dass Sie hier nicht konsumieren dürfen.“ Ja, warum? Ich dachte der Workshop ist für alle, Konsumierende, Substituierte, Abstinenzwillige. Ich bitte Marvin, diese Entscheidung die Gruppe treffen zu lassen. Ich möchte nichts entscheiden, keine Regeln vorgeben. So sitzen drei Cleane, zwei mit einer vollen Bierflasche vor der Nase und Lyrika in der Tasche, und wir, das künstlerische Team, an einem Tisch.

Und nach ca. drei Zigarettenpausen kommt die Frage von allein: „Das ist doch scheiße für Euch, wenn wir hier breit sitzen, oder?“ Selbstregulierung.

Nach einer Vorstellungsrunde, einer kleine Konzepteinführung und einem Austausch über Erwartungen und Gespräche über Kameraangst, gehen wir schon zum Highlight des Tages über: dem Kochen.

Auf Augenhöhen im Kollektiv arbeiten ist eine der genannten Erwartungen. Das gemeinsame Einkaufen bietet hier schon mal richtig Stoff. Da prallen sie aufeinander, die Welten. Spagetti Bolognese wird es geben. Sarah und ich bestehen auf Biofleisch. Nadja besteht auf zwei Packungen Knorr Fix-Bolognese, davon lässt sie auch nach mehreren Überzeugungsversuchen nicht ab. Gut, kommt in den Einkaufswagen und auch Schmand muss dazu. Ich packe zum Ausgleich Biogemüse und frische Obst mit in den Einkaufswagen. Steffen ist inzwischen verloren gegangen, wir treffen ihn an der Kasse wieder. Er ist in einen Streit mit einer anderen Kundin verwickelt und wird des Ladens verwiesen. M. packt eine Dose Red Bull mit aufs Fließband, das braucht sie jetzt. Wir fallen auf im Rewe, man starrt uns an. Ich genieße das.iveseenthedark_floriankrauss-9047

Trotz oder wegen Knorr Fix gibt es das beste Essen, das ich seit langem gegessen habe. 

20:00 Uhr 

Florian, Sarah und ich schauen uns „Lucky Strike“ in der Rampe an, ein Stück unserer Kollegen von SKART. M. und T. kommen auch. Die beiden sind nicht mehr zu stoppen und erweisen sich als großartige Live-Stückkommentatoren. T. singt lauthals den Soundtrack des Stücks mit. Ich fühle mich frei und glücklich. Das Stück ist der Hammer aber ich weiß nicht, ob ich uns als Publikum nicht besser finde.