21. August 2015, Stuttgart

Drama

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Florian und ich sind seit zwei Tagen in Stuttgart. Wir schlafen bei Florian Eltern, weil das Theater Sommerpause hat, natürlich. Alice ist seit ein paar Tagen nicht erreichbar. Sie geht einfach nicht an ihr Telefon. Ich weiß nur, dass sie sich, nach dem ich die Reise abgesagt habe aus der Klinik entlassen hat und wieder ins Sleep Inn gezogen ist. Wir suchen sie auf der Paule – ohne Erfolg.

Am Nachmittag haben wir ein Treffen mit der Caritas bezüglich einer möglichen Kooperation. Wir berichten über unser Projekt mit Alice. Scheinbar sucht die Caritas genau so eine Idee für ein großes Pilotprojekt in Stuttgart. Gemeinsam mit einem Pharma-Unternehmen und der Deutschen Leberhilfe will die Caritas Drogenkonsumierenden und Substitutspatienten ein Projekt anbieten, das die Teilhabe und das Teilsein am gesellschaftlichen Leben fördert. Wir entwickeln innerhalb von einer halben Stunde einen Konzeptvorschlag mit monatlichen Workshops für Leute aus der Szene und ein Abschlussprojekt am Theater Rampe. Wir spinnen eine neue Idee um das Projekt ALICE herum.

Florian und ich sind begeistert. Es gibt die Möglichkeit, dass unser Projekt gefördert wird und dabei sogar noch weitaus umfangreicher als gedacht. Alice bleibt dabei natürlich im Fokus. Sie wird das Zugpferd sein, sie wird die anderen für die gemeinsame Arbeit begeistern und sie ist und bleibt die Protagonisten. Die tragische Heldin im Mittelpunkt.

Nach dem Gespräch mit der Caritas rufe ich Alice noch einmal an. Sie geht ran und ist überrascht, dass ich in Stuttgart bin. Wir treffen uns vor dem Sleep Inn und fallen einander in die Arme. Seltsam, was für ein starkes Band in den letzten Wochen zwischen uns entstanden ist. Sind wir Freundinnen geworden? Aufgeregt berichte ich von den neusten Entwicklungen. Das Projekt wird größer und es gibt eine Chance auf Förderung.

Wir verabreden uns für den nächsten Tag, um das erste Mal seit SORTIERT EUCH! – DIE SHOW! wieder miteinander zu arbeiten. Alice sagt, sie braucht einen klaren Kopf.

Ich habe einige Ideen vorbereitet. Ansetzen bei ihren letzten Ideen für die Bühne. Da war das Bild „Der Schrei“ von Munch im Gespräch und dass Alice selbst am Anfang des Stücks durch den Schrei springt, dicht gefolgt von mir als ihr „Schatten“. Damit wollen wir morgen weiter machen. Wir fangen an mit einem Körpertraining und arbeiten uns dann zu der Idee vor. Vielleicht entwickeln wir eine Konzept für eine erste kleine Aktion. Ich überlege: wir bauen den Schrei als große Leinwand an der Paulinenbrücke auf und springen durch. Die Idee gefällt mir. Aber abwarten was morgen wird.

The_Scream

Ein paar Stunden später ruft Alice aufgelöst von einer anderen Nummer an. Eine Mitbewohnerin aus dem Sleep Inn hat ihr das Handy geklaut, während sie schlief. Alice ist außer sich, sie tobt. Ich kann sie nicht beruhigen. Sie droht mit Schlägen, der Polizei usw.. Ein Drama folgt dem nächsten. Wir verabreden uns für morgen 10:00, dann halt ohne Handy.