15. August 2015, Berlin

Krisenmoment

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Ich wache auf und habe ein schlechtes Gefühl was die Reise betrifft. Ich habe meinen ersten wirklichen Krisenmoment. Der gestrige Tag hat mich sehr geschlaucht. Ich frage mich, ob Alice irgendeine von ihren Handlungen ohne mich gemacht hätte, und, ob mein Verhalten ihr gegenüber sinnvoll ist. Ich realisiere, dass sie im Grunde die Schritte selbst vollziehen muss. Ich kann sie begleiten und unterstützen aber ich kann sie nicht drängen und steuern. Die Grenzen dazwischen sind allerdings oft fließend. Ich vertraue Alice nicht mehr. Die letzten Tage haben gezeigt, wie unberechenbar ihre Handlungen sind. Sie hängt zu sehr in ihren alten Mustern. Wie geht das: mit Kunst neue Muster schaffen.

Auf der Reise nach Berlin rufe ich Alice an und sage ihr, dass ich Zweifel habe, ob wir die Wanderung machen, ob wir uns damit nicht überfordern würden. Sie reagiert mit Abweisung. Sie bezweifelt, dass ich die Reise überhaupt gebucht habe. Ein Vertrauenstief. Ich werde sie am Abend wieder anrufen. Nach dem Gespräch bin ich plötzlich entschlossen die Reise stattfinden zu lassen. Nach siebenstündiger Autofahrt gehe ich in Berlin direkt zu Globetrotter, um mir Wanderschuhe kaufen. Kurz vor der Kasse meldet sich endlich Andrea, eine befreundete Ärztin und seit 35 Jahren Suchttherapeutin. Als ich sie um ihre Einschätzung bezüglich unsere Reise bitte, sagt sie sofort: „Sag die Reise ab. Die Wanderung wird scheitern und eure Beziehung wird daran zerbrechen.“